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Worum geht es in diesem Artikel?
Babys dürfen keinen Honig essen, da er Sporen des Bakteriums Clostridium Botulinum enthalten kann. Diese Sporen können im Darm des Babys auskeimen und damit kann es zum lebensbedrohlichen Säuglingsbotulismus oder infantilen Botulismus kommen.
Das ist die Information, die seit Ende der 1980er Jahre kursiert und durch Medizin und Naturwissenschaften unhinterfragt unter den Menschen, vor allem jungen Müttern, verbreitet wird.
Studien zu dem Thema werden immer wieder durchgeführt… und die Ergebnisse unterstützen nicht wirklich die allgemeinen Empfehlungen…
1. Warum Honig bei Babys ein Thema ist
Im Jahr 1976 wurde erstmals ein Zusammenhang zwischen dem gefährlichen Säuglingsbotulismus und dem Verzehr von Honig, der Sporen des auslösenden Bakteriums „Clostridium Botolinum“ enthielt, beobachtet. Zu dem Zeitpunkt wurden bei Babys, die wegen des sogenannten infantilen Botulismus oder Säuglingsbotulismus in kalifornischen Krankenhäusern behandelt wurden festgestellt, dass sie Honig verzehrt hatten, der Botulinumsporen enthielt (1). Daraus ergab sich ein signifikanter Zusammenhang und die Anti-Honig-Kampagne war geboren.
2. Was ist Säuglingsbotulismus?
Es gibt im Zusammenhang mit dem Bakterium Clostridium Botulinum zwei unterschiedliche Erkrankungswege:
Der eine ist, dass man Lebensmittel verzehrt, die mit dem Bakterium verunreinigt sind, das das sehr giftige Botulinumtoxin (Botox) produziert. Hier liegt also bereits das Gift im Lebensmittel vor. An dieser Lebensmittelvergiftung können auch erwachsene Menschen, vor allem geschwächte und alte Menschen schwer bis tödlich erkranken.
Der zweite ist der sogenannte Säuglingsbotulismus oder infantiler Botulismus. Hierbei liegt kein „fertiges“ Bakterium und auch kein Gift im Lebensmittel vor, sondern die Bakteriensporen, die die Überdauerungsform des Bakteriums darstellen. Sporen an sich können einem Lebewesen nichts anhaben. Um aktiv werden zu können, müssen sie auskeimen, das heißt, unter günstigen Bedingungen wieder zu einem aktiven Bakterium werden.
Botulinumsporen kommen überall in der Umwelt vor: in Erde, Staub, Wasser, in unterschiedlichen Lebensmittel, usw…
Wenn nun ein Baby diese Sporen verschluckt können diese im Darm auskeimen, da hier günstige Bedingungen für Clostridium Botulinum herrschen. Danach kann das aktive Bakterium sein Gift (Botulinumtoxin, kurz Botox) produzieren und das Baby erfährt eine zunehmende Lähmung des gesamten Körpers, typischerweise von Kopf bis Fuß absteigend inklusive Lähmung der Atmung.
Die Therapie die bei einem schweren Verlauf notwendig werden kann ist eine mehrmonatige Beatmung und künstliche Sondenernährung des Kindes.
Säuglingsbotulismus kann nur in Säuglingen entstehen, weil ihr Magendarmtrakt noch einen höheren pH Wert als der von älteren Kindern und Erwachsenen hat, so der Tenor der Schulmedizin.
Dass es aber keine klare Altersgrenze gibt, so wie auch in allen anderen Entwicklungen, die ein Mensch so durchmacht, zeigt die Tatsache, dass 2 von den 7 Babys, die in Europa nachgewiesen Säuglingsbotulismus durch den Verzehr von Honig bekommen haben, bereits 12 und 14 Monate alt waren (2).
3. Warum dürfen Babys keinen Honig essen? - wissenschaftliche Hintergründe
Die Sporen vom Bakterium Clostridium Botulinum können bei einem pH-Wert bis etwa 4,5 (oder höher) auskeimen (3). Säuglinge haben durchschnittlich einen höheren pH-Wert im Magen und im Darm als ältere Kinder und Erwachsene. Gestillte Säuglinge haben im Schnitt einen niedrigeren pH-Wert als Säuglinge, die Ersatznahrung erhalten (4).
Im Allgemeinen wird davon gesprochen, dass aufgrund des höheren pH-Wertes im Magendarmtrakt der Säuglinge die Sporen gute Bedingungen vorfinden und auskeimen können. Das Bakterium wird somit wieder aktiv und kann hier sein hochgiftiges Botulinumtoxin produzieren.
Nun ist es aber auch so, dass die Sporen säureresistent sind, also den sehr sauren Magensaft eines Erwachsenen überleben können und der pH-Wert in nahezu allen Darmabschnitten (außer im ersten Teil des Duodenums, da dort erst die Neutralisierung der Magensäure im Speisebrei stattfindet) eines gesunden Erwachsenen auch über 4,5 liegen (5). Fraglich ist an dieser Stelle, warum in der Schulmedizin mit der Infektionstheorie die oben genannte Entstehung des Säuglingsbotulismus bis heute nicht ernsthaft angefochten wird. Mit den hier beschriebenen Erkenntnissen gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, warum ein Auskeimen von Botulinumsporen im Darm eines Erwachsenen nicht möglich sein sollte. Falls das Krankheitsbild des infantilen Botulismus bei Erwachsenen bisher nicht beobachtet und beschrieben wurde, ist durchaus die Möglichkeit gegeben, dass der erwachsene menschliche Organismus (wie in vielen anderen Fällen, die in der Schulmedizin beschrieben werden) anders auf das Botulinumtoxin reagiert als der Säuglingsorganismus.
Es wäre doch durchaus interessant das mal zu untersuchen?!
4. Symptome des Säuglingsbotulismus
Typische Symptome des infantilen Botulismus sind die oft langsam zunehmende Muskelschwäche von Kopf bis Fuß absteigend. Hierbei sind drei Leitsymptome besonders prägnant: die Lidschwäche, die Augen können immer schlechter aufgehalten werden. Weiter absteigend kommen dann alle weiteren Muskelgruppen in Mitleidenschaft: das Baby bekommt Schluckstörungen und schließlich Atemprobleme.
Hierbei wurde beobachtet, dass gestillte Säuglinge sehr viel später und in einem höheren Lebensalter diagnostiziert und hospitalisiert, also ins Krankenhaus eingewiesen werden als Babys, die Ersatznahrung erhalten. Gleichzeitig wurde im Laufe der letzten 40 Jahre festgestellt, dass gestillte Säuglinge signifikant häufiger mit infantilem Botulismus diagnostiziert wurden, als nicht gestillte Säuglinge (6). Hier wird mittlerweile davon ausgegangen, dass dies daran liegt, dass die gestillten Säuglinge durch die bessere Darmflora (7) ein langsamer fortschreitendes Krankheitsbild zeigen, das die Eltern aufmerksam macht und so diagnostiziert werden kann. Wohingegen nicht gestillte Säuglinge ein sehr schnelles Fortschreiten der Symptome zeigen, oder es gar nicht erst bemerkt wird und hier eine größere Zahl an Babys nicht mit Säuglingsbotulismus, sondern mit dem plötzlichen Kindstod (SIDS) diagnostiziert werden (6).
5. Wo kommen die Sporen von Clostridium Botulinum vor?
Wenn es kurz zusammengefasst werden sollte, lautete die Antwort: Überall.
Differenzierter betrachtet finden sich die Sporen in vielen Erdproben, Staub, Wasser unterschiedlicher Herkunft und somit auch an Obst, Gemüse, Kräutern und Pilzen, sowie auch in Honig (6). Aber auch in verarbeiteten Lebensmitteln, wie in fertigem Babybrei (aus Fisch, Fleisch, Obst, Gemüse) oder selten auch mal in Säuglingsersatznahrung können Botulinumsporen nachweisbar sein (8). Die nicht mehr vorhandene Pathogenität der Sporen in diesen stark verarbeiteten Lebensmitteln kommt sehr wahrscheinlich vom sicheren Herstellungsprozess (siehe Punkt 8).
6. Wie häufig erkranken Babys am Säuglingsbotulismus?
Diese Informationen aus Punkt 5 sollen an dieser Stelle nicht verunsichern, sondern aufzeigen, dass die Möglichkeit Botulinumsporen aufzunehmen extrem hoch ist und gleichzeitig die Zahl der Fälle von Säuglingsbotulismus sehr gering ist – 2023 gab es 2 Fälle in Deutschland, Ursprung der Sporen unklar (9). Insbesondere der Säuglingsbotulismus im Zusammenhang mit dem Verzehr von Honig ist so unwahrscheinlich, dass es nach heutigem Wissensstand vernachlässigbar ist (2, 6, 10).
So wird in einem Übersichtsblatt vom California Department of Public Health (das ich im Video fälschlicherweise als britische Arbeit bezeichnet habe!) festgestellt, dass es von 1976 bis 2002 weltweit insgesamt 35 Fälle von Säuglingsbotulismus gab, die nachweislich mit dem Verzehr von Honig zusammenhängen und die Wahrscheinlichkeit an einem Säuglingsbotulismus durch den Verzehr von Honig zu erkranken bei 1 zu 1 Milliarde liegt (10).
Mit der Zahl von 35 Fällen weltweit ist schwer etwas anzufangen, wenn man keine Bezugsgröße hat. Somit sei erwähnt, dass in den USA (die im Jahr 2018 326,8 Millionen Einwohner hatten) im Jahr 2018 beispielsweise 162 Fälle von Säuglingsbotulismus diagnostiziert wurden – die übrigens alle nicht auf dem Verzehr von Honig zurückzuführen waren und wovon insgesamt ein Baby gestorben ist (11).
7. Ab wann ist Honig für Kinder ungefährlich?
Aufgrund der bisher offengelegten Daten ist es naheliegend, dass Honig grundsätzlich gar nicht gefährlich ist für Babys und Kinder. Hierbei sei die Definition von grundätzlich zu beachten: eigentlich, im Grunde, im Prinzip, mit dem Vorbehalt bestimmter Ausnahmen; im Allgemeinen, in der Regel.
Da in der Vergangenheit ein verschwindend geringer Teil von Säuglingen nachweislich im Zusammenhang mit dem Verzehr von Honig einen Säuglingsbotulismus entwickelt hat, interessiert die eine oder den anderen vielleicht, dass von diesen 35 Babys (10) das jüngste 4 und das älteste 14 Monate alt war (2).
Die allgemeinen Empfehlungen, die man auch beim Kinderarzt oder ähnlichem bekommt, sind, dass mit dem vollendeten ersten Lebensjahr auch Honig verzehrt werden „darf“.
8. Wie kann man Botulinumsporen unschädlich machen?
Die Erhitzung von Botulinumsporen muss über 112°C erfolgen, um sie abzutöten (12). Eine als sicher geltende Erhitzung zur Vermeidung von beiden Formen des Botulismus ist die sogenannte Botulinumkochung, bei der das gesamte Essen für 3 Minuten auf 121°C erhitzt wird (Kerntemperatur! Es reicht nicht, dass der Herd auf die Temperatur eingestellt ist, das Lebensmittel muss diese Temperatur haben.) (13).
9. Stimmen diese Theorien mit der Realität überein?
In Indien wird seit tausenden Jahren nach ayurvedischer Tradition dem Neugeborenen bis zum Alter von 10 oder 16 Jahren täglich teilweise mehrmals Honig mit Gold und Kräutern oder Butterschmalz/Ghee gegeben. Dieses sogenannte Swarna Prashana soll dem Kind die Intelligenz, Verdauung, Stärke und Lebenslänge (uvm.) erhöhen (14). Wer statistische Daten zum Säuglingsbotulismus in Indien findet, melde sich gern über das Kontaktformular oder Telegram.
Spannend bei dieser ganzen Geschichte ist auch, dass 2021 die Höchste Botulismusrate (nicht Säuglingsbotulismus) pro Einwohnerzahl in Dänemark registriert wurde (15)… in dem Land in dem alles ordentlich, sauber und streng kontrolliert ist und sogar Rohmilch verboten ist. Wer mal in einem dänischen Supermarkt einkaufen war, wird bemerkt haben, dass es sehr schwer ist, hier möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel (außer Obst und Gemüse) zu erwerben. Vielleicht hat die ganze Sache doch gar nicht so viel mit einer „Infektion“ zu tun?
Das heißt zur Eliminierung einer Säuglingsbotulismusgefahr: entweder wäscht man seine pflanzlichen Lebensmittel sehr gründlich ab, oder gart sie ausgiebig, was bei Honig in der Regel nicht erwünscht ist, da sonst die meisten guten Eigenschaften verloren gehen… Somit bleibt hier, wenn man den obigen Recherchen nicht glaubt, bei Honig nur das Weglassen desselben. Und natürlich das Vermeiden von Kontakt des Babys mit der lebenden Umwelt. Im starken Kontrast dazu steht, dass Babys und Kinder eine gesündere Entwicklung auf allen Ebenen zeigen, wenn sie nah mit Tier, „Dreck“ und Natur zusammen aufwachsen.
10. Alternative Süßungsmittel fürs Baby
Falls Honig gemieden werden will, stellt sich an erster Stelle die Frage, warum ein Lebensmittel für ein Baby extra gesüßt werden soll.
Kurze Exkursion: In der Regel ist es so, dass Babys sich so oder so an den Geschmack eines Lebensmittels gewöhnen „müssen“, weil sie einfach vorher nie etwas anderes außer Milch probiert haben. Das heißt ob es Brokkoli, Reisbrei, Pastinake, Curry oder Döner ist: An den Geschmack muss Baby sich erst gewöhnen und verzieht oft beim ersten Mal (bis zu 30 Mal ist normal) das Gesicht, weil es dieses Lebensmittel noch nie geschmeckt hat. Auf jeden Fall ist es nicht mit dem Geschmack der Eltern vergleichbar. Als ich meiner Tochter zum Beispiel das erste Mal eine pure Zitronenscheibe gegeben habe, weil sie danach verlangt hat, hat sie sie einfach so gegessen, als wäre es das Normalste der Welt.
Falls dennoch ein Süßungsmittel gewollt ist, können zum Beispiel süße Früchte frisch oder getrocknet wie Datteln, Bananen, Äpfel, Weinbeeren, uvm. oder Muttermilch, gekochte Möhren oder vielleicht auch mal ein paar gekochte Zuckerrübenschnitzel verwendet werden. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Theoretisch ist es auch möglich einfach Haushaltszucker, Melasse, Agavendicksaft oder ähnliche Süßungsmittel zu verwenden. Das kommt auf die persönliche Herangehensweise an Säuglingsernährung an und die damit verbundene persönliche Ernährungsphilosophie.
11. Fazit
Der ehemals signifikante Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Honig und Säuglingsbotulismus ist aufgrund der angewachsenen Datenmenge als hinfällig zu bewerten.
Nach heutigem Stand des Wissens (und nach dem Stand vor 1976) gibt es keinen stichhaltigen Grund Honig als besondere Gefahr für Babys einzustufen.
Quellenverzeichnis
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- Aureli, P. et al. (2002). Infant botulism and honey in Europe: A commentary. The Pediatric infectious disease journal. 21. 866-8. 10.1097/01.inf.0000027418.41135.3f.
- Boix, E. et al. (2022): Synergistic interaction between pH and NaCl in the limits of germination and outgrowth of Clostridium sporogenes and Group I Clostridium botulinum vegetative cells and spores after heat treatment, Food Microbiology, Volume 106, doi.org/10.1016/j.fm.2022.104055.
- .https://www.stillkinder.de/zufuetterung-bei-einem-gestillten-baby/ Zugriff: 15.09.25, 10:23 Uhr
- https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/fachbuecher/pdfs/ern_kompakt_leseprobe_physiologie.pdf (Seite 181, Abschnitt Dünndarm) Zugriff: 15.09.25, 10:35 Uhr.
- Harris, R.A. & Dabritz, H.A. (2024): Infant Botulism: In Search of Clostridium botulinum Spores. Curr Microbiol 81, 306. https://doi.org/10.1007/s00284-024-03828-0
- Rubaltelli FF, et al. (1998): Intestinal flora in breast- and bottle-fed infants. J Perinat Med. 26(3):186-91. doi: 10.1515/jpme.1998.26.3.186.
- Vu, T. L. A. (2006): Incidence of Clostridium botulinum Spores in Honey and Infant Food Samples Collected from Vietnam and Germany. dx.doi.org/10.53846/goediss-3600
- Robert Koch-Institut. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2023, S. 50, Berlin 2025; DOI 10.25646/13043
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- Collins, M. D. & East, A. K. (1998): Phylogeny and taxonomy of the food-borne pathogen Clostridium botulinum and its neurotoxins. Journal of Applied Microbiology 1998, 84, 5–17; Table 1.
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